Panik und die gläserne Wand.

Manchmal weiss man genau, wohin man möchte, und kommt trotzdem nicht weiter. Bei Panik liegt das oft an Mustern, die sich im Nervensystem eingeprägt haben. Sie wirken auf einer Ebene, die der Wille kaum erreicht. Ich habe das als gläserne Wand erlebt. In diesem Beitrag erzähle ich, wie ich mit Unterstützung von aussen einen Weg gefunden habe, diese Wand zu überwinden, jenseits von Willen und Anstrengung.


Eine Wand aus Glas

«Wenn die Panik kommt, stosse ich gegen eine gläserne Wand. Ich weiss, wohin ich will, und ich weiss auch, was ich tun muss. Trotzdem komme ich nicht durch. Die Wand fühlt sich an wie etwas Physisches, etwas Festgefahrenes. Mit Willen allein finde ich keinen Weg hindurch.

Wie diese Wand entstanden ist, weiss ich nicht. Vielleicht hat sie sich über Jahre aufgebaut, vielleicht in einem einzigen Moment. Ich weiss nur: Plötzlich war sie da, massiv und fest.

Und wenn ich an ihr stehe, geschieht alles in Sekunden, manchmal in Sekundenbruchteilen. Ich möchte beobachten, was passiert, einen Ausweg suchen und an die Atmung denken. Und gleichzeitig stecke ich schon mitten in der Panik.»

(Tagebucheintrag zu meinem Erleben von Panikmomenten)

Was zwischen den Panikmomenten möglich ist

Im Moment selbst lässt sich an der gläsernen Wand kaum etwas verändern. Dafür geht alles zu schnell. Darum habe ich angefangen, die Zeit zwischen den Panikattacken zu nutzen.

In dieser Zeit kann man nach Wegen suchen, damit das Nervensystem gar nicht erst in diesen Moment kommt oder im entscheidenden Moment mehr Spielraum hat. Mögliche Wege sind zum Beispiel Atmung, Psychotherapie, die hilft, Hintergründe zu erkennen und zu verstehen, oder Unterstützung von aussen.

Ich sehe es als Zusammenspiel von mehreren Aktivitäten und Therapieformen. Hier setzt auch Qlear Calm an: mit rund 120 Übungen für die Zeit zwischen den Panikmomenten, die man ausprobieren und für sich entdecken kann.

Neurofeedback hat die Türe geöffnet

Die Therapieform Neurofeedback hat mir geholfen, die gläserne Wand zu überwinden. Sie hat mir in Paniksituationen mehr Zeit gegeben: Zeit, um innezuhalten, zu atmen und zu entscheiden, welchen Weg ich gehe.

Ich erlebe diesen Moment heute wie eine Weggabelung. Links geht es in die Panik, rechts nicht. Früher bog mein System automatisch nach links ab. Da stand die Wand, und ich konnte gar nicht anders. Heute merke ich, dass es ein Links und ein Rechts gibt, und ich kann wählen.

Diese zusätzliche Zeit spürte ich schon nach ein, zwei Sitzungen. Das Besondere für mich: Ich musste dafür nichts bewusst tun. Die Veränderung geschah auf einer anderen Ebene, unterhalb des Bewusstseins. Was mir mit Willen allein nicht gelang, wurde auf einmal möglich.

Qlear Calm - So funktionniert Neurofeedback

Ist es immer eine Frage des Willens?

Diese Erfahrung war für mich zugleich schön und frustrierend. Über lange Zeit hatte ich versucht, die Panik mit Willen, Übungen und Anstrengung zu überwinden. Und dann veränderte sich durch Neurofeedback etwas, ohne dass ich bewusst etwas dafür tun musste. Plötzlich war möglich, was mir zuvor über Jahre nicht gelungen war.

Das hat meine Sicht auf Panik grundlegend verändert. Ich glaube heute, dass es nicht nur darum geht, zu wissen, was man tun kann, oder sich genügend anzustrengen. Es braucht auch die körperlichen Voraussetzungen, um dieses Wissen im entscheidenden Moment überhaupt umsetzen zu können.

Übungen können helfen. Aber selbst wenn man sie kennt, regelmässig übt und im entscheidenden Moment anwendet, bedeutet das nicht, dass sie auch die gewünschte Wirkung zeigen. Entscheidend sind auch die körperlichen Voraussetzungen, insbesondere der Zustand des Nervensystems. Wenn eine Übung nicht wirkt, kann der Grund also auch dort liegen.

Zur Einordnung

Das Gehirn bleibt ein Leben lang veränderbar. Fachleute sprechen von Neuroplastizität: Verbindungen und Muster im Nervensystem können sich verändern, auch solche, die lange festgefahren waren.

Neurofeedback setzt bei der Fähigkeit des Gehirns an, seine Aktivität durch Rückmeldungen zu regulieren. Dabei werden die Hirnströme gemessen und in Echtzeit beispielsweise durch Bilder oder Töne zurückgemeldet. Auf diese Weise kann das Gehirn lernen, bestimmte Aktivitätsmuster besser zu regulieren.

Die Forschung zu Neurofeedback bei Angststörungen zeigt vielversprechende Ergebnisse. Wie zuverlässig die Methode wirkt und für wen sie besonders geeignet ist, ist allerdings noch nicht abschliessend geklärt.

Neurofeedback ist ein Weg unter mehreren. Bei mir hat es etwas zum Positiven verändert. Wer es ausprobieren möchte, bespricht das am besten mit der eigenen Therapeutin, dem eigenen Therapeuten oder einer Fachperson für Neurofeedback.


Quellen


Kurz und ehrlich: Die Texte hier basieren auf eigener Erfahrung und Auseinandersetzung mit dem Thema – nicht auf einer medizinischen Ausbildung. Sie beschreiben, was vielen Menschen hilft, sind aber kein fachlicher Rat für deinen Einzelfall. Qlear Calm ist kein Medizinprodukt und ersetzt weder ärztliche noch therapeutische Hilfe. Wenn dich Panikattacken belasten, sprich mit einer Ärztin oder Therapeutin darüber. Und wenn es sich wie ein Notfall anfühlt, hol dir sofort Hilfe – Notruf 144 (CH) / 112 (DE, AT). Bei seelischer Not sind auch die Dargebotene Hand (143, CH), die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, DE) und die Telefonseelsorge Österreich (142) rund um die Uhr für dich da.

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Der SOS-Knopf: wie er funktioniert und warum er so gebaut ist.